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Normalerweise glauben Menschen, sie wären irgendwie, hätten Eigenschaften und Meinungen. Kluge wissen, es ist alles nur Selbstdarstellung. Und ohne Publikum, Zuschauer, Kundschaft, ist alles nichts.

Erpressung von Arbeitslosen durch Arge und Agentur

Die Prügelknechte der Arge/Agentur:TZG BFG etc.



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persönliche Zeitverwendungsstatistik 2006

Nachtrag Zeitverwendung 2008

Abschluß: Zeitverwendung 2013

Eigentlich ist mein Verhältnis zur Erwerbstätigkeit eher dass, dass ich gerne mit einer halben Stelle das Geld verdienen würde, das ich brauche, um in der anderen Hälfte der Zeit meine eigentliche Arbeit zu machen. Früher funktionierte sowas auch bei uns: Vormittags Strandwächter, nachmittags surfen. Oder vormittags in der Garage ein Computer-Betriebssystem entwickeln, abends in der Kneipe kellnern. Oder zwei Monate Krabben fischen und den Rest des Jahres am eigenen Blockhaus rummachen und mit den Kindern Lachse angeln gehen. Usw. .Ein Modell, das man ständig im Fernsehen sieht und das unseren Begriff von Freiheit prägt.
Heute kann ich das voll vergessen: Tatsächlich ist es umgekehrt: Ich würde mit einer vollen Stelle, die mir keine Zeit übrig lässt, nur die Hälfte des zum Leben nötigen Geldes einfahren.

Man wird immer von den einen abgestraft für das, wozu einen die anderen gezwungen haben, bzw. womit man sich gegen die anderen wehren wollte. Wenn man alles offenlegt, wird man nicht mehr angegriffen, kriegt aber auch keinen Anteil mehr an der Gesellschaft. Da mein ganzes gesellschaftliches Leben vor allem mein prekärer gegenwärtiger Status, sich auf diese Art von Hin und Her zurückführen lässt, fühle ich mich keinerlei Gesellschaft gegenüber zu irgendwas verpflichtet. Ich bin niemand etwas schuldig. Diese Gesellschaft andererseits ist mir denselben Unterhalt schuldig, wie allen ihren Mitgliedern.
Ich für mich persönlich bin nach der Folter im ersten, spätestens nach dem zweiten Psychiatrie-Aufenthalt in Rente gegangen. Alles andere war nur Scharade. Ganz egal, welchen Job man mir nach der Folter gegeben hätte, er wäre auf jeden Fall unwürdig gewesen.
Eine Ausnahme war danach noch der Job als Vater meiner Kinder, der zwar nicht bezahlt, aber gesellschaftlich gewürdigt wurde. Das aber auch nur solange, bis ich in diesem Job auch entmachtet wurde und ihn hingeschmissen habe.
Ich habe später auch versucht, einen Erwerbs-Job quasi als Freizeittätigkeit zu bekommen, es wurde aber nicht akzeptiert, dass ich zu meinem Vergnügen arbeite, auch keine entsprechenden Bewerbungen von der Arge gelten lassen. (offengelegt ist = Chance verbrannt)

Ich betrachte mich als Rentner, abeitsunfähig aufgrund verletzter Würde.

mein neuer Job (von 2005)

Am 24. 8.2005 habe ich meinen neuen 1 Euro-Job (1,5 Euro)bei der Gesamtschule in Neuss Reuschenberg und Weckhoven angetreten. Ich wurde von allen freundlich begrüßt und hatte einen riesig guten Tag. Seither habe ich an dieser Schule Pappkartons von Computern entsorgt, Hof und Bibliotheksaufsicht geführt, Lehrmaterialien fotokopiert und dergleichen.

Heute 30.8. habe ich mich allerdings geärgert, als ich Clerasil-Reklame aufstellen sollte:Das kann doch nicht wahr sein: Für ein paar schmutzige Euros Sponsoringgeld stellt die Schule ein Schild mit der Panik-verbreitenden Inschrift: Date in Gefahr! auf. Mit dem Hinweis, dass man sein Date retten kann, indem man sich die Pickel mit Clerasil wegmacht. Der Vertreter war dagewesen und hatte sich beschwert, dass das Schild nicht aufgestellt war.Es war nur ein Handgriff, aber ich vermute, keiner wollte das Dreckding anfassen. Also wurde die Schulsekretärin beauftragt, und die ließ sich die schmutzige Arbeit von mir machen. Auch noch genau in der Pause, wo mich die Schüler alle brav sehen konnten. Motto: heute sind alle Sklaven des so allmächtigen Kapitals, auch der stolze Herr Sperling. Dabei stehe ich doch gerade dafür: Ich möchte euch Hoffnung machen: Dass es möglich ist, in Würde zu leben, trotz der Übergriffe des Marktes auf die Persönlichkeit des Menschen. Dass es im Zweifelsfall ein schöneres Leben ist, wenn man seine Würde behält und auf das Kriechen vor dem Moloch Arbeitspflicht im Dienste des Kapitals und Ernst des Lebens Wehrpflicht und wie der ganze Moral-Dreck heißt, verzichtet. Deshalb habe ich genaugenommen, das Gefühl, dass dies ein gezielter Angriff auf meine Würde ist, eben weil meine Würde für etwas steht, was manche hier an der Schule ärgert, die Deutschland in ein einziges großes Zuchthaus verwandeln wollen, und dass der Vertreter extra angerufen wurde, um diesen Angriff zu ermöglichen. Wirklich beweisen oder wiederlegen lässt sich so eine Glaubensangelegenheit natürlich nicht. Für mich war das jedenfalls ein Schlag auf den solar plexus und ich mußte einiges an Tabletten aufwenden um mich über Nacht davon zu erholen. Ich habe mich um eine gemeinnützige Arbei beworben und dann soll ich Clerasil-Plakate aufstellen! Eine gemeinschädliche Arbeit! Zum Nutzen von ein paar Kapitalisten.

Ich finde es höchst gemein, die Angst junger Menschen zu schüren, dass sie nicht geliebt werden, um ihnen irgendein Dreckswässerchen zu überhöhten Preisen zu verkaufen.Wenn Dein Schwarm dich mit Pickeln nicht liebt, soll er's bleiben lassen. Senke Deine Ansprüche und suche Dir was anderes.Da hast Du mehr von. Deine Pickel kannst Du ja trotzdem behandeln, falls das was hilft, was noch sehr zweifelhaft ist. Keine Pickel zu haben ist nicht unbedingt die Königsdisziplin in der Liebe. Viel wichtiger ist doch, einander zu vertrauen und Zeit füreinander zu haben. Ausserdem ist das gemein, sich mit Clerasil zu dopen, während andere mit ihren Pickeln leben müssen.

Kann das wirklich wahr sein, dass die Schule den Standpunkt vertritt: "Macht nichts, wenn unsere Schüler durch die Reklame ein bischen psychisch krank werden, Hauptsache, wir haben genug Geld für Kreide!"?

1.9. Inzwischen hängt an dem Schild Reklame für eine Sportfirma. Das ist mir angenehmer.

Ich soll auf dem Hof in den Pausen Aufsicht in den heimlichen Raucherecken der Mittelstufe machen. Mir ist noch nicht ganz klar wie ich das machen soll,bzw. werde, denn ich habe nicht dasselbe Ansehen wie ein Lehrer, möchte auch dafür meine Identität nicht einbüßen, möchte mich aber von den Jugendlichen auch nicht verächtlich behandeln lassen. Und man weiß ja, Rauchen ist stärker als jeder Verstand,--na ja fast--.Da ist natürlich schwer gegen an zu kommen. Na ja, mal sehen, wie sich das entwickelt. Ein paar Sachen sind mir schon eingefallen. Erwarte den morgigen Tag mit hämischer Freude.--Wenn mich das mal auf angenehme Weise nicht auch um den Schlaf bringt!--

9.9.Da mir von der Schulleitung wegen der von mir gemachten Schülerfotos ein Maulkorb verpasst werden sollte, habe ich gekündigt. Rechtzeitig um mich noch vor dem tote Hosen- Konzert auszupennen. Es ist nicht wahr, dass jeder Mensch entweder ein Schüler ist, oder ein intrigantes Arschloch: Es gibt auch noch mich. Und von den Lehrern wäre sicher auch gern mancher anders, wenn da nicht dieser oder jener Kollege wäre...

Wenn ich die psychische Belastung und die häuslichen Vorbereitungen bedenke ist es eher ein 12-Stunden -Job gewesen, als ein 6-Stunden Job, den ich da niederlege. Ich habe mir echt den Arsch aufgerissen, um diese Kinder zu erziehen. Und dann kommt auch noch jemand daher, und will mich moralisch diskreditieren? Nein danke. Sollte ich jemals Sex mit einer 14-oder 16-jährigen haben, dann wird das eine gute Sache sein. Das weiß ich, weil ich ich bin. Und weil ich niemals jemand schaden würde, den ich lieben will und der mir auch noch ziemlich unterlegen ist. Wir würden uns lieben und vertrauen und sie würde es genießen. Sonst würde ich es nämlich nicht machen. Und ehrlich gesagt: Die jungen Leute können nur davon profitieren so zu werden, dass das denkbar ist, nämlich vertrauenswürdig zuverlässig und selbstbewußt. Und das muß man ihnen vormachen. Das nenne ich Erziehung mit Liebe. Aber eine gewisse Sorte miese Kerle neiden mir, dass ich auch nur aus Scherz angelächelt werde und nicht gleich darüber schimpfe. Diese Sorte Spießer kann mir den Buckel runterrutschen. Meiner Meinung nach muß man als Erzieher zuallererst mal Mensch sein. Viele Lehrer haben sich aber selbst zur Maschine gemacht und hassen dann die Kinder dafür. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Und da man mir als dem underdog vom underdog nicht das kleinste Luftloch gelassen hat, habe ich lieber gekündigt, ehe mir das auch noch passiert.Erste Anzeichen waren bereits zu bemerken. Ich bin aber dort hingegangen, habe versucht, der beste Mensch zu sein, der ich konnte, und das ist dann dabei herausgekommen. Da fallen mir nur sarkastische Glückwünsche ein.

Ausserdem:Ich war frustriert, weil ich von vielen Lehrern abgeblockt wurde. Eigentlich wurde mir garkeine richtige Arbeit gegeben. Bei meiner Anstellung war noch von Arbeit mit Schülern und Unterrichtsmaterialien die Rede. Und die Schüler wollten auch nichts lernen. Ich hatte gedacht, ich könnte vielleicht jemand mit meinem Wissen und meiner Zeit helfen, aber niemand hatte daran Interesse. Am Ende wollte man mich für Gartenarbeit abschieben, nur weil es so peinlich war,dass man erst so groß getönt hatte und hinterher zu starrsinnig war, mir überhaupt sinnvolle Arbeit abzutreten. Die Peinlichkeit hab ich euch abgenommen.



Sommer 2006 wurde mir ein 1-Euro Job im Kindergarten angeboten. Ich bin dort hingegangen und wollte mich bewerben. Aber ich konnte diese Arbeit einfach nicht annehmen. Hier ist, was ich als Entschuldigung geschrieben habe:

Sehr geehrte Kindergartenleiterin!

Ich denke, ich bin Ihnen noch eine Erklärung schuldig, warum ich die 1-Euro Stelle bei Ihnen abgelehnt habe. Ich mußte mir erst über meine Gefühle klar werden.

Schon, als ich die Tür des Kindergartens mit der hohen Klinke sah, bekam ich einen Anfall von Klaustrophobie, der sich drinnen noch verstärkte. Die Ähnlichkeit mit einer geschlossenen psychiatrischen Station ist zu groß. Ich mußte mehrere Monate auf solchen Stationen verbringen. Für mich wäre es auch ungefähr auf dasselbe hinausgelaufen. Ich mag auch nicht mit Puppen heile Welt spielen, für mich ist die Welt ganz und gar kaputt.

Ich liebe Kinder zwar sehr, aber ich habe auch Angst, mit ihnen in zu enge Berührung zu kommen. Es mag ja noch angehen, wenn ich als Mann unter aller Augen ein weinendes Kind auf den Arm nehme und es ein bischen übers Haar streichle, um es zu trösten. Aber was ist, wenn ich dem Kind einen “Ich hab Dich lieb Kuss” geben muß. Hab ich dann schon die Grenze überschritten. Oder wenn ich beim Kindersaubermachen ein paar ungezwungene Bemerkungen mache, hab ich dann die Grenze überschritten? Für mich als Mann, ist sowas einfach zu gefährlich. Wenn ich aber den ganzen Tag mit den Kindern zusammensein muß und zu diesem Zweck meine Gefühle einsperren, dann komm ich mir eingesperrt vor, und für die Kinder ist das auch nicht gut: Ein Betreuer, der sie nicht lieben darf.

Hinzu kommt, dass ich Frühstücks- Lern- Spiel- Abschieds- Begrüssungs- und Feier- Rituale hasse. Ich bin für freie und phantasievolle Entfaltung der Persönlichkeit. Grade im Durchbrechen kritisieren oder persiflieren von Ritualen bin ich kreativ. Kindergartenrituale sind für mich sinnlose Handlungen, durch die der Mensch zur Puppe degradiert wird. Ich möchte mich an soetwas nicht beteiligen. Aber da hätt ich mich ja vielleicht noch überwinden können.

Und dann dieses Nobel-Stadtviertel, das ist mir auch fremd und weckt Gefühle von Klassenfeindschaft. Ich wohne in einem Stadtteil mit Hochhäusern und 50% Ausländern. (Was bei den Kindern 80% bedeutet)

Meine 1.1Tage Arbeit für die ZAG (Leiharbeitsfirma)

Da mir das TZG, diese Vermittlungsgesellschaft für Arbeitslose, Subfirma von der sogenannten Arge, dem ehemaligen Arbeitsamt, empfohlen hatte, mich bei Leiharbeitsfirmen zu bewerben, hatte ich das auch getan. Viel später, vor einigen Wochen bekam ich dann einen Anruf und bin bei der ZAG vorbeigegangen. Da wurde mir Arbeit im Lager für 6,50 Euro angeboten. Da ich gerade von der Arge eine Vermittlung an eine Schule hatte, was doch eigentlich mein Beruf ist, auch, wenn es nur ein Ein-Euro Job war, hab ich gesagt, ich komm eventuell später darauf zurück. Die Schule hat mich aber nicht genommen. Leute die was taugen habens eben schwer.

Na ja, und dann wollte mir die Arge diesen Kindergartenjob vermitteln s.o. Und da ich den auch abgelehnt habe, wurde mir kein neues Angebot auf das ich gehofft hatte mehr gemacht, sondern mir eine Sonderbehandlung durch einen sogenannten Fallmanager empfohlen. Sowas kenn ich schon: Wenn ein Amt Dir “Hilfe” anbietet, ist das in aller Regel blanker Terror. Also hab ich mich am Montag dem 10.07.2006 zu der Leiharbeitsfirma aufgemacht und gefragt, ob es die Arbeit noch gibt. Ich sollte nochmal Bewerbungsunterlagen abgeben, weil sie verloren gegangen waren, und man werde mich am Mittag zurückrufen. 6,15 Euro, ob das für mich akzeptabel sei? Na, ja, sag ich, ich verdien ja sonst garnichts. Um halb Elf war ich gerade beim Ausdrucken meiner Unterlagen, die ich schnell noch ein bischen umgeschrieben hatte, als das Telefon klingelte. Ob ich schnell kommen könnte, einen Overall und ein Paar Arbeitssicherheitsschuhe abholen und dann nach Willich fahren zur Firma H.

Klar, hab ich gemacht. Ich hab also eine Quittung für die Schuhe unterschrieben und kam noch vor Mittag bei der Firma H an. Dort hab ich mich dann nach dem Herrn U. erkundigt, bei dem ich mich melden sollte. Ich käme von der ZAG? Ich könnte schon mal in's Lager gehen und mich bei M melden. Also hab ich mich bei M gemeldet, meinen Overall angezogen,wobei ich noch meine 10Euro-Uhr verbummelt hab, und angefangen zu arbeiten. Die Arbeitssicherheitsschuhe hab ich garnicht erst angezogen, den Gag kannte ich schon von vor 15Jahren bei der Arbeit in Essen/Remscheid. Ich bin damals nur vom Parkplatz bis zum Büro gegangen mich vorstellen und hatte schon die Füsse wundgescheuert. Die Dinger sind wie ein Firewall am Computer: Unheimlich sicher, aber wenn man sie benutzt geht gar nichts mehr. Man muß eben auf seine Füsse aufpassen.Zwei Jahre später hab ich sie weggeschmissen. Also gestern war es gut, dass ich sie nicht angezogen hatte, denn ich mußte den ganzen Tag rumlaufen im Lager, das wär mit den Dingern garnicht gegangen. Unter dem Schreibtisch im Lager standen zwei paar verstaubte Arbeitssicherheitsschuhe. Vermutlich konnten meine Kollegen auch nicht in den Dingern laufen.Ich hab ihnen aber nicht genau auf die Füsse geguckt.Ich hab von 12 Uhr mittags bis 18 Uhr gearbeitet, habe keine Pausen gemacht, ausser mal zwei Minuten Wasserflasche nachfüllen am Toilettenwasserhahn. M teilte mir mit, die Arbeitszeit sei von 8 Uhr morgens bis 18 Uhr abends. Das war mir nicht besonders recht, weil ich mich auf 8Stunden eingerichtet hatte, nicht auf zehn. Ich hatte auch bei der ZAG angekreuzt, dass ich keine Überstunden machen wollte. Da hat mir der Typ seinen Lohnzettel gezeigt, weil ich's nicht glauben wollte: 246Stunden im Monat. Plus 20 sagt er, denn 1Stunde täglich wär ihm für Pausen abgezogen worden.Den Rest konnte ich nicht lesen, da hat er die Hand vorgehalten und ich hatte sowieso meine Brille nicht auf. Normal wär er 70 Wochen-Stunden im Betrieb. Da ich körperlich schon ziemlich kaputt war vom Kistenstapeln und im Watschelgang(von dem mir mein Orthopäde abgeraten hat) um Paletten herumgehen um sie mit Folie einzuwickeln, war mir schon klar, dass ich auf die Dauer auch keine 50 Stunden davon würde machen können. Ich war auch psychisch ziemlich runter, weil ich die ganze Zeit alleine arbeiten mußte. Ich hab also gesagt, ich wüßte nicht, wie lange ich das durchhalten würde, und 6,15 Eurovon der ZAG seien auch nicht gerade ein Anreiz. Wieviel sie denn verdienen würden. “Über Geld spricht man nicht!”bekam ich zu hören. Na, denk ich, das sind mir ja feine Kollegen: Nennen mich Kollege, duzen mich und fangen gleich schon mal damit an, mich menschlich zu bescheißen. Von da an hab ich nur noch darüber nachgedacht, ob ich den Job morgen oder in zwei Monaten hinschmeiße. Ach, ja, H.M.Schleyer -Str. auch noch, nach dem Arbeitgeber-Arsch. Als ich nach halb sieben zu Hause ankam, tat mir der Rücken und die Gelenke weh, aber wenigstens hat sich meine Frau gefreut, dass ich eine Arbeit hatte.Sie werde alles tun, um mich zu unterstützen... Das hört man gerne.

Am Morgen war ich immer noch ein wenig steif und schlechtgelaunt von den Anstrengungen des Vortages, aber ich stand um 10 vor 8 bei der Firma H. auf der Matte und sagte, ich müßte mit der ZAG telefonieren, wegen Stundenzettel und Arbeitsvertrag, was ich ja noch alles nicht hätte. Da bei der ZAG vor 8Uhr niemand ist, mußte ich von der Firma aus anrufen. Da wurde mir dann aber gesagt, ich könne nach Hause gehen oder zurück zur ZAG, man habe zur Zeit genug Leute, und es sei wohl nur ein Versehen, dass man die Vermittlung durch die ZAG nicht abbestellt habe. Also bin ich nach Neuss gefahren, zum ZAG-Büro, wo ich dann einen Vertrag unterschreiben sollte. 6,15 Euro stand deutlich lesbar unter Entgelt. Ich habe aber im Internet nachgesehen, seit 2004 steht der Mindest-Tarif für Leiharbeiter bei 6,85 Euro. Man gab mir einen unausgefüllten Mustervertrag zum Lesen. Ich hab mich erboten, ihn ungelesen zu unterschreiben, weil hinsichtlich solcher Vertragsklauseln doch sowieso das Gesetz über allgemeine Geschäftsbedingungen gilt. Ich hab ihn dann aber aus Höflichkeit doch gelesen “um zu wissen was von mir erwartet werde”.Was in diesem Vertrag drinstand, war aber sowas von unverschämt, dass ich den Kram gleich hingeschmissen hab. Zunächstmal mache man von der Regelung für gemindertes Arbeitsentgelt während der ersten 6 Monate Gebrauch. Eine Regelung, die in meinem Fall völlig mißbräuchlich gewesen wäre, da ich nach einer Woche alles gekonnt hätte, was es in dem Speditionslager zu können gab. Also nur 4,60 Euro statt 6,15. Abzüglich Spritkosten dann noch 4.05Euro pro Stunde. Dann noch einmalig Abzug von Overall und Asischuhen, schätzungsweise minus40Euro. Und dann womöglich noch Steuern.Und Kassenbeiträge. Vorher hatte man mir bei der ZAG gesagt, ich könnte mit ungefähr 800 Euro monatlich rechnen. Ich war aber von 40 Stunden ausgegangen. Aber dass ich beim Lohn betrogen werde, hatte ich ja eigentlich garnicht anders erwartet. Was ich nicht hinnehmbar fand, war die Klausel, dass ich auch noch Stillschweigen über diesen Betrug zu wahren hätte. Dh. nach deren Vorstellung hätte ich nicht mal mit Kollegen über die Arbeitsbedingungen reden können. Oder hätte den Vertrag gebrochen, wenn ich ihn der Gewerkschaft vorgelegt hätte. Mir ist natürlich klar, dass soeine Klausel rechtlich unwirksam ist, aber ich fand das so unverschämt, dass ich denen den verschwitzten Overall und die unbernutzten Asischuhe auf den Tisch geknallt habe, und gesagt, sie könnten sie sich sonstwohin stecken. Ich arbeite nun mal nicht mit Maulkorb. Weder an einer Schule, noch sonstwo. Wahrscheinlich wird man mir demnächst dann wohl eine Rechnung für Arbeitsklamotten schicken. Scheiß drauf. Ich denke, ich habe das alles richtig gemacht.



Verdammt, ich glaub ich hab allmählich meine Berührungsängste überwunden und würde doch gerne die Arbeit im Kindergarten machen. Die Nachbarskinder sind so nett.Ich rede unheimlich gern mit Kindern. Aber dieses schreckliche Wichtigtun um Tellerchen und Tässchen und die richtige Ordnung ist so erniedrigend. Ich würde wirklich gern da arbeiten. Bedingung wäre,dass ich selbst entscheiden kann, was ich mitmache und niemand deswegen beleidigt ist, wenn nicht. Was ich nicht darf würd ich mir ja noch sagen lassen. Vielleicht wächst in mir ja dann sogar ein Verständnis für diese Rituale. Und nachmittags Silentium oder sowas, weil ich da meine Kenntnisse einbringen könnte.

09.10.2006:

Habe mich mal gefragt, wo eigentlich meine ganze Zeit immer bleibt, weil ich nie zu auch nur der Hälfte der Sachen komme, die ich mir vorgenommen habe. Daraufhin habe ich sechs Tage lang alles protokolliert, was ich getan habe und auf eine Woche extrapoliert. Bei dem Ergebnis wurde mir schlagartig klar, warum mich so eine Panik packt, wenn ich die Aussicht habe, soeinen 40-Stunden-Job machen zu müßen, der abgesehen davon, dass man Geld dafür bekommt sinnlos wäre.

Meinen Berechnungen zufolge mache ich nämlich schon 41,5Wochenstunden Hausarbeit, sowie 28,5 Wochenstunden kulturelle Betätigung auf die ich höchstens dann teilweise verzichten könnte, wenn mein Job einen Ersatz dafür darstellen würde. 65 Stunden brauche ich zum Schlafen, 5 Stunden entziehen sich irgendwie der Protokollierung, 22Stunden bleiben für Tätigkeiten die sich zugunsten eines Jobs stark reduzieren ließen. 168 Stunden hat die Woche insgesamt.

Im einzelnen:

I. Haushalt



2491 min = 41,5 Stunden


A) Küche


630 min



B) Beschaffung (einkaufen und ebay)


391 min



C)Instandhaltung


1015 min



a) Aufräumen

478 min




b) Reparaturen

292 min




c)Wäsche

245 min




D) Rüstzeiten (Körperpflege,kacken, umziehen, planen)


455 min








II.Kultur



1720 min = 28,5 Stunden


A) Korrespondenz

397 min




B) sonntags auf Nick aufpassen

280 min




C) meine drei wöchentlichen Lieblingsfernsehsendungen

449 min




D)Reden mit Marion

245 min




E) Arbeit an dieser Website

233 min




F) meine L inke Zeitung lesen

76 min




G) spazieren gehen

40 min









III.Sex und überflüssiges Fernsehen.



1324 min = 22 Stunden


IV.Weiterbildung



6 Stunden


(Französisch,Mathe, Englisch)


6 Stunden französ. Vokabeln lernen


IV. Schlafen:



ca.65 Stunden







Zusammen:



163 Stunden







Woche:



7x24 = 168 Stunden


Ungeklärt:



168-163 = 5 Stunden.






Natürlich ist das nur eine Woche, die nicht in jeder Hinsicht typisch ist.* (Wenn ich zum Beispiel grade an einem bestimmten Projekt arbeite, können dafür auch mal 5Stunden täglich über mehrere Wochen draufgehen, oder so.Dann wird vielleicht der Haushalt verschlampt.) Ausserdem ist der Zeithaushalt eines Menschen natürlich soetwas wie ein Ökosystem. Man kann nicht einfach irgendwo etwas abschneiden, ohne dass das Konsequenzen für auch andere Punkte des Zeithaushaltes hat. Unter psychischer Belastung z.B. durch die Arge kann der ganze Zeithaushalt auch schnell komplett zusammenbrechen und reduziert sich dann radikal, weil ich zu höheren Funktionen dann nicht mehr fähig bin.

*Nachtrag 2008: In den zwei Wochen vom 30.9.08 bis zum 13.10 habe ich noch mal mitgeschrieben, was ich gemacht habe. Diese Wochen waren dadurch gekennzeichnet, dass ich mit maximal möglichem Einsatz an meinem Elektronik-Projekt gearbeitet habe, einem elektronischen Schloss, das unsere Wohnungstür endlich so absichern soll, dass nicht immer einer zuhause bleiben und das Haus hüten muß. Wer sich auf meiner Website auskennt, wird begreifen, dass das für mich eine Angelegenheit von sehr hoher Dringlichkeitsstufe ist. Zumal ich es endlich mal in Angriff genommen habe, an dem Problem was zu machen.

Hinzu kommt, dass Marion in diesen Wochen keine Erwerbsarbeit hatte, und es ganz gut war, wenn sie mehr im Haushalt zu tun hatte. Ich habe nur sehr wenig Hausarbeit gemacht das Geschirr hat sich in der Spüle getürmt usw. obwohl Marion viel mehr gemacht hat, als sonst. An einem Wochenende war Nick da.

In den 2 Wochen sind 68Stunden und 15 Minuten in das Elektronikprojekt geflossen. In das Schreiben und Lesen in Sachen politisches Engagement sowie einen politischen Sitzungstermin sind 37 h 50Min geflossen. In das pausenfüllende Hin und her Frühsücken Teekochen duschen umziehen Gesundheitspflege oder auch einfach nur hin und her gehen in der Wohnung sind 24h50Min geflossen. Vor dem Fernseher habe ich 21h verbracht. 14h15Min habe ich für den Ausgang genutzt um mich einfach zu bewegen (rumlaufen im Viertel, Kleinigkeiten einkaufen etc.) 12h30 Min habe ich Nick teils mehr teils weniger intensiv beaufsichtigt, 4h50Min habe ich mit Marion geredet, 7h30Min habe ich mit angenehmen Aktivitäten verbracht, die hier nicht genannt werden sollen. Macht in Summa 191 h.

Ungefähr 10 Stunden pro Tag habe ich geschlafen, oder zu schlafen versucht.

Auch diese Wochen sind nicht unbedingt typisch: Wenn das Projekt beendet ist, wird sich das wieder ändern. Ich finde mein Leben zur Zeit , und fand diese zwei Wochen ziemlich anstrengend.

Der erste Punkt ist schon mal, dass alles, was ich mir auf diesem Plan, um mich zu rechtfertigen, zu gute halte schon mal dadurch entwürdigt ist. Da macht es “BING” in meinem Kopf und ein Auktionator ruft “verkauft” und von da an macht es gleich weniger Spass.Zum Beispiel das Wäschewaschen. Jetzt, wo ich dies schreibe macht es wieder mehr Spass und wo ich das jetzt auch noch schreibe, wieder weniger usw. (Ist es noch nötig, zu sagen, dass ich diesen Auktionator als den Sachwalter der größten Verbrecher überhaupt betrachte? Denn natürlich wollte ich weder meine Kinder, noch meine Frau oder meine Hausarbeit an irgendjemand verkaufen. Nick haben sie sich aber geholt. Ich kann aber überhaupt nichts dagegen machen. Denn wenn man sich überhaupt nicht rechtfertigt, wird man auch vernichtet. So hab ich also die Wahl, ob ich mich von den einen vernichten lassen möchte,weil ich mich gerechtfertigt habe, oder von den anderen, weil ich's nicht getan habe. Aber nicht, ob überhaupt.Und das Tricksen hat auch irgendwo seine Grenzen. (Dieser Auktionator, das könnte die verinnerlichte Stimme von meinem Vater sein, der mir mal wieder etwas beweisen will, das man besser leugnen sollte. An virtuelle Leute, die nicht rechtsfähig sind, kann man doch garnichts verkaufen.))

Ich weiß, es gibt Hausfrauen, die würden mir jetzt voller Verachtung verkünden, dass sie einen 3-Personen-Haushalt aber mit 20 Wochenstunden schaffen, jedenfalls, wenn er so liederlich ist, wie unserer. Glaub ich. Würde ich auch. Aber: In einem Haushalt, in dem das Geld knapp ist, muß vielmehr repariert werden und das frisst viel Zeit. Und ich bin der einzige bei uns, der Dinge reparieren kann. In dieser Woche waren es unter anderem drei Stunden für einen durchgesessenen Hosenboden. Ja, ich weiß, Schneider können das schneller, aber ich bin kein Schneider und bei mir hält es länger. Auf die Zubereitung von Essen entfällt auch mehr Zeit, wenn man sich von weniger Geld halbwegs gesund ernähren möchte. Wäsche macht auch mehr Arbeit, wenn man sie auf einem Ständer auf dem eigentlich nicht genug Platz ist, auf und ab-hängen muß. Der größte Unterschied zu besagter stolzer Schnellhausfrau ist aber, dass ich ständig demoralisiert werde, weil man mir von Amts wegen und in den Hetzmedien sagt, ich wäre faul, und ständig in Verzweiflung gehalten werde, durch die finanziell bedingte Unsicherheit des Fortbestandes unseres Haushaltes. Wenn man sich bei jedem Handgriff, den man tut, unwillkürlich fragt, ob er eigentlich überhaupt noch Sinn hat, dann geht die Arbeit viel viel langsamer von statten.Übrigens, wer mehr selber macht, hat auch mehr Zeug, das er aufräumen muß.

So, und dann hör ich schon wieder die Stimmen von den Leuten, die laut krähen, die Kultur sei aber überflüssig, andere müßten auch mit ihrer Freizeit auskommen. Die sollen sich nicht so aufblasen: Offensichtlich haben sie Zeit gehabt, das zu lesen, was ich geschrieben habe. Ich habe aber Zeit gebraucht um es zu schreiben. Ausserdem muß ich denen sagen, dass sie vermutlich nicht die Spur einer Ahnung haben, wasfür Angriffe auf meine Persönlichkeit ich zu verdauen habe. Und diese Verdauungsarbeit braucht Kommunikation, eben das, was hauptsächlich die Spalte Kultur füllt. Sonst bricht das System plötzlich am anderen Ende zusammen. Im übrigen ist Marion auch davon abhängig. Und es ist sogar sehr bedauerlich, dass Manfred kaum mit mir redet. Das wäre unbedingt auch noch ein paar Wochenstunden wert. Natürlich könnte ein Job, der mir die Gelegenheit gibt, mit anderen zu reden, einen Teil dieser Sparte “Kultur” ersetzen. Und wenn er dauerhaft durchzuhalten wäre und finanzielle Sicherheit brächte, könnte er auch beruhigend wirken und das Hausarbeitstempo erhöhen. Rein theoretisch. Wenn ich dann noch die 22 Stunden unter römisch III auf 4 Stunden reduziere, könnte theoretisch ein Vollzeitjob drin sein, wenn die Fahrtzeit nicht zu weit ist. Praktisch sehe ich aber, dass die Vollzeitjobs, die ich vielleicht von einer Zeitarbeitsfirma kriegen könnte, den Zeitbedarf unter römisch II noch erhöhen würden ohne den unter römisch I zu senken. Ich glaube einfach nicht mehr dran. Und ich will mich nicht schon wieder in so ein Desaster stürzen,wie die letzten Male, aus dem ich wieder nur so angeschwärzt als der schlechteste Mensch herauskomme, sozusagen vogelfrei. Man verarscht mich, und wenn ich kündige bin ich wieder derjenige, dem man auf der Arbeitsvermittlung “am liebsten seine Unterlagen um die Ohren hauen möchte.” Bevor ich wieder was anfange, will ich auch den Mut dazu wieder angesammelt haben. Im übrigen ist es überhaupt falsch, sich zu rechtfertigen, wenn man es mit unverschämten Leuten zu tun hat. Damit demütigt man sich und beraubt sich seiner Kraft, sich aufzuraffen, Gutes zu tun und gibt den anderen Gelegenheit, noch unverschämter zu werden. Auch dies hier, dass ich dies hier überhaupt schreibe, ist e i g e n t l i c h falsch. Ich wollte nur mal was gegen die allgemeine Unwissenheit tun. Ein gutes Werk sozusagen. Wird mich aber wahrscheinlich wieder was kosten. Ich spekuliere mal: Das Arbeitsamt fängt jetzt auch an und lässt die Leute Stundenpläne ausfüllen.o.ä.

Marion arbeitet schon so ca 30 bis 45 (je nach Postaufkommen und Vertretung für Kollegen)Wochenstunden für ihre Post. Vielleicht könnte sie in der Zeit mehr Geld verdienen, wenn sie woanders arbeiten würde. Wurde ihr angeboten. Ich habe dringend abgeraten, denn was ist denn, wenn sie nach einer Woche gefeuert wird, oder als heulendes Elend nachhause kommt und nicht mehr weiterkann, weil sie auf Arbeit dauernd von den Kolleginnnen beleidigt wird? Dann kriegt sie den Postjob ja nicht wieder! Ich möchte lieber nicht an dem Post-Job rühren. Denn, wenn sie den Job los ist und allein zuhause sitzt, dann ist für mich sowieso nicht mehr an Vollzeit-Arbeiten zu denken. Aber das ist dann nicht das schlimmste. Im übrigen habe ich schon das Gefühl, mein Gewissen als Arbeitssuchender wird gerade geprüft. Man kommt mir entgegen. Schön, aber was ist, wenn ich nein sage?

Der Ausbeutung eines Ökosystems sind eben einfach Grenzen gesetzt, wenn man es nicht ganz zerstören möchte. (Und dann gar nichts mehr zum Ausbeuten hat.) (Ausserdem möchte ich natürlich nicht ausgebeutet werden, sondern mich selbstverwirklichen.)

Ich denke im Moment darüber nach, mir wieder eine nicht zu große freie Arbeit zu suchen. Frei - also ohne Vertrag. Verträge geben den Leuten immer einen Vorwand, einen zu schickanieren. Wenn man aber jederzeit gehen könnte, macht die Arbeit mehr Spass.

Ja, ja, da hör ich schon wieder das Bildzeitungsgezeter: In einem Haushalt mit drei Erwachsenen können doch alle arbeiten gehen. Das müßen alle, und wie wir das hinkriegen ist unser Problem. Mir ist alles egal, ich möchte nur eins nicht mehr: Weiter gedemütigt werden. Und das könnt ihr nur, wenn ich mitspiele.

Ich bin Pädagoge, aber die Pädagogik ist heutzutage größtenteils fest in Händen, von dummen Ziegen, die sich unheimlich was auf sich einbilden, aber keine Spur von Würde oder politischem Verantwortungs-Bewußtsein besitzen. Und diese blauäugigen ahnungslosen Geschöpfe produzieren dann Menschen für den kapitalistischen Markt und bringen ihnen bei, sich selbst als Ware zu betrachten.Sowas kann ich als Vorgesetzte auch nicht akzeptieren.

Ich glaube, die Arbeitsvermittler halten ihre Produkte, die “Stellenangebote” die sie zu vergeben haben für so eine Art Juwelen, weil sie vielleicht ein bischen daran gearbeitet haben, sie aufzutreiben. Und sind dann beleidigt, wenn diese von den Arbeitsuchenden als das behandelt werden, was sie sind. Scheißdreck. Wie könnte man auch drei oder vier von diesen 1-Euro-Juwelen nacheinander an denselben Typen vermitteln, der sie einfach nicht zu würdigen weiß? Nein, einen abgelehnt und die Vermittler ziehen einen Flunsch und man kriegt keinen neuen. Dabei ist doch klar, dass man mehrere ausprobieren muß, bis man ev. was passendes findet. Arbeitskraft ist doch keine Wurstmasse, die man auf jede x-beliebige Stelle schmieren kann, sondern ein Arbeiter muß sich auch mit seiner Arbeit identifizieren können. Man muß sich vielleicht auch erst an die Vorstellung gewöhnen. Letztenendes sind Stellenangebote nichts weiter als Adressen, die weitergegeben werden müssen. Kein Grund, sich so anzustellen. Und Addressen von Zeitarbeitsfirmen sind sowieso Scheißdreck pur.

Zum Vergleich: Die Armutsindustrie -YouTube-Video aus ARD-über den Betrug mit der Arbeitsvermittlung heute

(Das Video ist dreiteilig, die anderen Teile sind bei YouTube zu finden)

Zeitstatistik – Nachtrag 2013:

Warum von mir mix mehr kommt:

Seit ungefähr anderthalb Jahren leide ich unter zumehmender Sedierung. D.h. Ich fühle mich, als hätte ich Beruhigungsmittel (Neuroleptika) gefressen, obwohl ich garkeine genommen habe. Das heisst,wenn ich am Schreibtisch arbeite und mein Kreislauf entsprechend der sitzenden Tätigkeit runtergeht, dann kriege ich unüberwindliche Müdigkeitsanfälle und muß mich hinlegen. Oft dreimal am Tag, oft auch öfter. Ich schlafe viel zu lange und bin, selbst, wenn ich wach bin, irgendwie müde und schwunglos. Ich nehme an, ich wurde heimlich mit Neuroleptika vergiftet. Wie, und von wem das Zeug in meine Nahrungsaufnahme geschmuggelt wird, ist mir allerdings unerklärlich. Ich denke wohl, dass die unbekannten Verbrecher über verschiedene Kanäle verfügen. Theoretisch sind natürlich auch andere Dinge denkbar-Diabetes,Blei,PCB usw. Also durch Alter oder Umgang mit Elektronik. Wenn man nachts 11 Stunden im Bett liegt, und tagsüber noch 2 oder 3 Stunden dazukommen, dann trifft das meine Arbeitszeitstatistik natürlich vernichtend. Denn die täglichen Verrichtungen, die nun mal gemacht werden müßen, da kann man nicht dran sparen. Das heisst die fehlenden 5 oder 6 Stunden täglich sind genau die Stunden, die früher dem Sinn meines Lebens gedient haben: Etwas zu tun, das auch für andere nützlich ist. Es bleibt also nur noch Marion übrig, die etwas von mir hat. Unter solchen Umständen an Erwerbstätigkeit auch nur überhaupt zu denken, ist völlig absurd. Trotzdem bin ich natürlich nicht krankgeschrieben und hätte—wäre ich von der Arbeitsagentur abhängig, mit einer 100Prozent Sanktion zu rechnen. Das heisst ich würde auch noch mein Zuhause, meinen erarbeiteten, für andere wertlosen Besitz , und ohne Möglichkeit zusammenzuleben auch noch Marion verlieren und würde dann vermutlich in der Psychiatrie zu Tode gefoltert werden. Trotzdem, wenn man mir jetzt anbieten würde, nicht mehr vergiftet zu werden, wenn ich dafür für die Arge arbeiten würde, würde ich dieses Angebot als unter meiner Würde empfinden.



Das eigentliche Problem ist doch: “Arbeiten” zu wollen bedeutet implizit, den Kapitalismus gutzufinden, weil es nur kapitalistische Arbeitsplätze gibt. Deshalb bin ich dazu unfähig. Nicht unfähig, zu arbeiten, aber Erwerbsarbeit tun zu wollen. Ich kann sie also nur unfreiwillig tun. Das aber kann ich natürlich nicht wollen. Das kann man mir nicht vorwerfen. Jedenfalls ist es sinnlos, mir das vorzuwerfen.

Ihr müßt die Sache auch mal so auffassen: Da schafft es ein Mensch mit Müh und Not indem er irgendwelche Schrullen entwickelt immer noch irgendwie, sein Dasein mit Sinn zu füllen, nachdem man ihm alles gewaltsam zertrümmert hat, was dafür in Frage kam, Liebe Beruf Familie Würde, und dann kommt so ein Politikeraffe daher und sagt, das ist aber alles sinnlos und verächtlich, was Du tust, weil Du damit kein Geld verdienst. Du mußt das alles dem Zweck des Arbeitens unterordnen. Dann sagt man begeistert ja weil man auch gerne mehr gesellschaftliche Anerkennung hätte und sagt sich von allen Schrullen los und dann ist das, was man da tun soll irgend so ein völlig überflüssiger Scheißdreck den obendrein jeder Idiot kann und es gibt noch nichtmal Geld, oder man wird nach drei Wochen wieder gefeuert. Nur: Wie nimmt man eine alte Schrulle wieder auf, nachdem man sich von ihr losgesagt hat? Das geht ungefähr so gut wie das Herz einer Frau zurückerobern, nachdem man ihr gesagt hat, das man sie häßlich findet, als man eine andere hatte. Ohne aber einem Lebenssinn nachzustreben kriegt man solche Sachen, wie regelmäßiges frühes Aufstehen aber auch irgendwann nicht mehr hin. Und dann heißt es, man ist verwahrlost, weil man keine Arbeit hat. Quatsch! Weil der Arbeitsmarkt-Götze keinen anderen neben sich geduldet hat. Zum Glück bin ich ja nicht so blöd. Andere aber schon.

Ich wollte mal arbeiten, um mir eine Familie halten zu können. Aber für die Trümmer-Familie, die ihr mir jetzt noch gelassen habt, hätt ich es mir echt sparen können...Na,ja.

Meine Arbeit sollte mal sein, besondere intellektuelle Leistungen zu erbringen, für die ich mich anstrengen muß. Dafür bin ich jahrzehntelang ausgebildet worden. Angesichts dessen, was mir an Arbeit angeboten wird, kann ich nur folgern, dass man sich aus bildzeitungsgeschürtem Klassenneid über mich lustig machen will.

Ich glaube der Fachausdruck für solche Erscheinungen lautet Entfremdung. Wenn man es beim besten Willen nicht mehr hinkriegt, den Sinn des Arbeitens irgendwie auf sich zu beziehen.

Das Problem scheint erblich zu sein.

Ich finde es richtig popelig, wie sogenannte Arbeitgeber den sogenannten Arbeitnehmern nicht nur die Arbeitskonditionen diktieren, weil ja von Markt keine Rede sein kann und praktisch Arbeitspflicht herrscht, sondern im Rahmen des Vertragsabschluß diese wehrlosen Leute auch noch betrügen: Da wird einem zum Beispiel bei der Arbeitsvermittlung ein Job als Elektroniker angeboten. Kommt man hin ist es eine Verleihfirma, die einem für 6,50 Euro Arbeit in einer Spedition anbietet. Hat man dann einen Tag probegearbeitet und kann seinen Vertragspartner nicht mehr so leicht abwimmeln, dann wird einem ein Vertrag angeboten, in dem plötzlich alle möglichen Abzüge von den 6 Euro stehen, als wäre man ein schlechter Mensch. Am Ende steht man dann mit 4 Euro da, wohlbemerkt vor Steuern und Sozial-versicherung. Ich finde sowas popelig und beleidigend. Die Arbeitgeber sollten sich was schämen. Für mich gilt immer noch das gesprochene Wort. Wenn einer 6,50 sagt gilt 6,50 und wenn einer 10-11 sagt, gilt 10-11. Nicht 9. Oder gar 8,50Finde ich jedenfalls. Ein Arbeitsverhältnis habe ich schon wegen sowas hingeschmissen. Und dann noch nen Zuschlag für Einstellung eines Langzeitarbeitslosen beantragen, als wäre man was schlechteres. Find ich auch demotivierend. Na, ja, Geld ist Geld. Kommt ja der ganzen Firma zugute, vielleicht hat man am Ende auch was davon. Auf der anderen Seite bin ich natürlich nicht allein in der Firma und könnte froh sein, wenn ich 9 kriege, wie alle anderen da am Anfang, (? über Geld sprechen die ja auch nicht) statt 6,50. Aber hätte man nicht mich gekriegt, hätte man sich einen von einer Verleihfirma geholt, und der Firma hätte man für die gleiche Arbeitskraft locker 15 Euro oder mehr hingeblättert. Was ist an diesen miesen Schweinen besser, als an mir? Ärgert mich auch. Man könnte das den 9/11-Schwindel nennen. Kein guter Stern, um eine Arbeit anzufangen.

Ich habe jetzt einen neuen Job bei einer Elektronikfirma. Mein Lohn ist zwar nur 50Cent über der auch von mir unterstützten gesetzlichen Mindestlohnforderung für Deutschland von 8 Euro(Nachtrag:inzwischen mehr), aber immer noch mehr, als ich jemals erdient habe. Für einen Facharbeiter ist das zwar eigentlich viel zu wenig, allerdings muß ich auch sagen, dass man mich auch keine Facharbeiter-Arbeit machen läßt. Ich bin jedenfalls sowieso die billigste Arbeitskraft, die die Firma hat, weil sie 30 Prozent von dem was sie für mich zahlen, von der “Arbeitsagentur” als Langzeitarbeitslosenförderung zurückbekommen. Anfangs hat mir der Job gut gefallen und ich mochte die Kollegen alle gern. Da ich aber sehr viel arbeiten mußte (Wir arbeiten fast 9 Stunden, von denen uns eine ¾ Stunde “Pause” aber von der Arbeitszeit abgerechnet wird.) konnte ich in letzter Zeit wenig an dieser Website machen.

Ich werde aber wohl nicht lange bei dieser Firma bleiben:

1. Die Luft ist schlecht. Wir haben 2 Wellenlötmaschinen eine bleifreie und eine mit bleihaltigem Lötzinn. Nur bei einer davon ist das Entlüftungsrohr überhaupt angeschlossen. Es zieht aber nur richtig, wenn die Entlüftung von der SMD-Löt-Maschine läuft.Keine Ahnung wieso. Sonst und manchmal trotzdem geht das ganze Zeug in unseren Arbeitsraum. Hängt wohl von den Lüftungsbedingungen ab, welche Fenster auf sind welche zu, wie stark der Wind ist und wie weit das Flußmittelventil aufgedreht ist. Auf den Flussmittel-Kanistern steht: “Dämpfe nicht einatmen.”Ich habe mich zwar darüber beklagt und seither ist es wesentlich besser geworden, aber ich muß trotzdem fast täglich soviel davon einatmen, dass ich mit gereiztem Atemsystem nachhause gehe. Die meisten anderen kriegen davon nicht soviel ab und die die doch, scheinen dagegen nicht so empfindlich zu sein.

2. Ich werde ständig gegängelt und andererseits ständig für Sachen verantwortlich gemacht, für die ich nicht verantwortlich bin: Ich werde gezwungen Pfuscharbeit zu machen und auch noch dafür zu unterschreiben. Widerspreche ich kriege ich einen Anschiß vom Oberchef, weil ich nur zu tun hätte, was die Unterchefinnen mir sagen. Widerspreche ich nicht, krieg ich hinterher wenns rauskommt einen Anschiß vom Oberchef, weil ich so eine Pfuscharbeit gemacht habe. Schließlich hab ich ja dafür unterschrieben. Versuche ich heimlich gute Arbeit zu machen, krieg ich ebenfalls einen Anschiß vom Oberchef, wenns rauskommt, weil ich meine “Kompetenzen” überschreite, oder einen Anschiß von einer Unterchefin, weil ich so “bummele”.Außerdem kann dabei auch mal was schief gehen. Obwohl ich hochqualifiziert bin und mein bestes tue kriege ich also auf jeden Fall in regelmäßigen Abständen meine Arbeiterehre verletzende Kritiken vom Oberchef, der “langsam genug von mir hat”. Außerdem krieg ich elektronikmäßig sowieso nur Kindergartenarbeit. Aber das könnte ich ja noch ertragen, wenn man mich in Frieden vor mich hin arbeiten ließe und mir hinterher mein Geld dafür gibt. Aber es hat, seit ich da bin, keinen Tag gegeben, an dem keine Arbeitshetze herrschte, weil wir ständig mehr Aufträge haben, als wir bewältigen können und grundsätzlich im Rückstand sind. Daher dann wohl auch die Pfuscharbeit, weil die Untercheffinen sonst dafür verantwortlich gemacht werden, dass die Produktion nicht genug fluppt. Das liegt aber wohl auch daran, dass der, der dafür sonst verantwortlich ist, zur Zeit oft auf Lehrgängen ist. So schlimm haben wir ja nun auch gar nicht gepfuscht, aber bestimmt genug, um zu Recht dafür getadelt zu werden. Das war ja das Problem.



3.Anfangs mochte ich die Kollegen, aber Leute, die mich nicht mögen, mag ich auch nicht und es gibt da wohl einige Sachen mit denen ich mich bei einigen Kollegen unbeliebt gemacht habe. Zum Beispiel beim Arbeiten auf die Uhr zu gucken, und zu checken wieviel Stück ich pro Stunde von dies oder das schaffe, ob die Arbeit mit dieser oder jener Methode besser geht und ähnliches und das hinterher auch noch anderen zu erzählen. Für mich ist das natürlich: Wenn ich eine einfache Arbeit habe, mich selbst dadurch zu verwirklichen, dass ich eben das Tempo sportlich angehe,wenn die Qualität nicht zu verbessern ist. Die Kollegen haben dann wohl das Gefühl, dass ich damit Druck auf's Arbeitstempo mache. Um mir das abzugewöhnen kommen sie dann ihrerseits an und machen Druck aufs Tempo bis ich mich überschlage, langsamer werde, nervös werde,und sogar Fehler mache. Wer Elektronik liebt und wer Leistung liebt, für den ist das eine Kur zum Abgewöhnen, dieser Job. Oder zum Beispiel hab ich mich auch damit unbeliebt gemacht,dass ich viel von meinen Zeugnissen und meinem Können als Elektroniker und auch sonst erzählt habe. Das liegt daran, dass ich die Kollegen anfangs völlig falsch eingeschätzt habe. Ich dachte, das sind stolze freie Arbeiter und ahnte nicht, welch erbärmliche unterdrückte Kreaturen das sind. Ich dachte, wenn ich jemanden ständig um Rat fragen muß, wie diese oder jene Arbeit geht, oder zu machen ist, dann ist damit klar, dass ich zugebe, dass er etwas kann, und dass ich seine Kompetenz schätze und ich dachte, dass ich ihn meinerseits über meine Kompetenzen aufklären kann. Blöderweise gelten die einen Kompetenzen in der Gesellschaft als oben und die anderen als unten. Und die mit den “unteren” Kompetenzen haben ständig Komplexe gegenüber denen mit den “oberen” Kompetenzen. Das habe ich mir überhaupt nicht klargemacht. Zumal ich doch auch mit meinen “oberen” Kompetenzen in der Gesellschaft ständig ein Versager gewesen bin und als Versager gehandelt worden bin, da ich ja kein Geld “v”erdient habe. Während ich also dachte, eine fröhliche genießbare Geschichte von meinem eigenen Versagen zu erzählen, habe ich die Leute in Wahrheit fürchterlich gedemütigt, weil ich “obere” Kompetenzen habe durchblicken lassen, mit denen ich eigentlich Werbung für mich machen wollte, weil ich als Anfänger zunächst jeden anderen als eine Art Vorgesetzten betrachtet hatte, zumindest als erfahrenen Kollegen, dessen Wissen über meine Kompetenzen meiner Karriere förderlich wäre. Das Problem das die Chefs haben, ist wohl, dass die Arbeit allen Spass machen muß, so krumm,wie die Leute nun mal eben sind, nicht nur mir. Es geht überhaupt nicht mehr darum, ob ich recht habe und wenn's nicht allzu schlimm ist, nichtmal darum, was richtig ist. Vielleicht muß ich mich mehr darum bemühen, den Leuten die Wahrheit schmackhaft zu machen, indem ich daran versage, sie sie finden lasse, mich also dumm stellen.Wird mir schwer fallen, aber vielleicht könnte ich damit noch ein paar Monate in Frieden Geld (v)erdienen. Nachtrag: Heute hatte ich eigentlich keine Probleme mit den Kollegen, eher Spass.

Für meinen Geschmack wird zu viel befohlen und zu wenig argumentiert in der Firma. “Das haben wir schon immer so gemacht”ist ein beliebtes Argument und manchmal stimmt es offensichtlich noch nicht mal. Ich schließe daraus auf mangelnde Kompetzenz derer, die zu sagen haben. Das hab ich mir wohl anmerken lassen, weil ich aufgrund ausbleibender Gegenargumente auf meiner Meinung beharrt habe.(Später habe ich oft selber Gegenargumente gefunden.) “Du tust ja grade so, als ob wir alle keine Ahnung hätten, sagte eine Unterchefin zu mir.” Was blieb mir übrig als “habt ihr auch nicht” zu antworten, da ich das auf die Art und Weise des Funktionierens von Elektronik bezog. Das ist ein bischen überspitzt auch das, was ich über die Leute in der Produktion denke. Mit einfachen Meßgeräten umgehen und ähnliches können immerhin einige. Und nach der Ausrüstung seines Labors zu schließen, gibt es auch einen, der offensichtlich mehr, als das kann. Der kommandiert aber keine Leute rum. Wozu muß die verdammte Unterchefin auch so viel von Schaltungstechnik und meinen sonstigen Kenntnissen verstehen, reicht es nicht, dass sie genau weiß, wo man das grüne Teil von dem sie keine Ahnung hat, wie's funktioniert, anlöten muß? Mit welchem Handgriff man das am effektivsten zu Wege bringt? Reicht es nicht, dass sie mir darin noch mindestens ein Jahr lang über sein wird? Nur wenn ich aufgrund meiner speziellen Kenntnisse ein Problem entdecke, oder zu entdecken meine, dann ist es Scheisse, von mir zu verlangen, dass ich mich mit diesem Problem an jemand wende, der dafür inkompetent ist. Das Problem hat sich geradezu zu einem Komplex ausgewachsen, weil die Untercheffinen und sogar die Chefs jetzt ein gewisses Trotzverhalten an den Tag legen und auf Sachen bestehen, von denen sogar sie wissen müssen, das sie unsinnig sind, um mich für meine Rechthaberei zu demütigen. Das ist schwer zu ertragen. Es geht zwar nur um Kleinigkeiten, aber es nervt. Auch die kann man besser machen. Es mag aber sein dass ich manche(n) unterschätzt habe, der nur nicht gezeigt hat, was er kann und ich habe den Verdacht, dass die Chefs noch ein oder zwei Asse im Ärmel haben. Und dann gibts da die Leute in der “Entwicklungsabteilung” die soweit ich weiß wirklich hochgebildet sind, aber wenn ich die auf eigene Faust frage—falls sie denn grade da sind-- dann habe ich zwei Kompetenzstufen übersprungen und eine Art Krieg angefangen. Ja, es hat sich wirklich zu einer Art Krieg ausgewachsen, diese Arbeit, deshalb werde ich wohl bald wieder aufhören damit. Es ist auch fürchterlicher Stress und für die Nerven garnicht gesund. Es gibt aber auch Leute in der Firma, die dafür überhaupt nichts können gute Arbeit machen und sich immer untadelig und freundlich benommen haben. Und es gibt auch Tage, an denen ich keinen Stress habe. Vielleicht hat das ja auch was mit Eingewöhnung zu tun.

4. Es herrscht Arbeitshetze und ich fühle mich irgendwie über den Tisch gezogen: Erst die Sache mit dem Lohn: 8,50 statt 11 Euro. Dann soll ich jetzt auch noch “Überstunden” machen. Als ob ich nicht sowieso schon eine unbezahlte Überstunde pro Tag machen würde. Als ich mich beworben habe, habe ich gesagt, ich wäre auch bereit bei gelegentlichen Engpässen mal Überstunden zu machen. Da bin ich aber von einer regulären Arbeitszeit von 38 Wochenstunden ausgegangen. Ich verbringe aber täglich 9 Stunden im Betrieb,weil die Pausen noch zu den 40 Wochenstunden hinzukommen. Als mir das bei Vertragsabschluß gesagt wurde, hab ich mich zum zweiten Mal übern Tisch ziehen lassen. Die Luft am Arbeitsplatz ist eine Unverschämtheit eigentlich hätte ich gleich wieder gehen müßen. Das war das dritte Mal übern Tisch gezogen. Aber ich weiß nicht, ob ich das zählen kann. In einer egozentrierten Welt schon,wenn das jetzt das sein soll, was ich angeblich verpflichtet bin anzunehmen.Aber dazu hat mich nicht der Chef verpflichtet sondern die Gesellschaft. Für mich kommt das allerdings aufs gleiche raus. (Ich will nicht sagen, dass der Chef eine unverschämte Gesinnung hat es wär ihm wahrscheinlich peinlich wenn er dies läse und die anderen fühlen sich wohl nicht verantwortlich für die Luft, lüften sogar mir zuliebe etwas mehr, aber es ist nun mal derartig ungesund, und es läßt sich durchaus etwas daran machen (Das Lüftungssystem mal studieren und ein paar zusätzliche Abzugsventilatoren und Ofenrohre anbringen, vielleicht noch was für die Plätze, wo besonders viel handgelötet wird.Aber dazu ist ja gar keine Zeit, weil wir Eier legen müßen, wie die Käfighühner. Ich würde mich nur lächerlich machen, mit dem Vorschlag.So schlecht kann's der Firma doch garnicht gehen.Wir haben ja nichtmal Zeit unser Fließband in einen ordentlichen Zustand zu bringen, Hauptsache, es läuft irgendwie.) und es gibt auch gesetzliche Vorschriften zur Luftreinhaltung am Arbeitsplatz. Es hat in den letzten beiden Tagen da, wo ich stand oder saß die meiste Zeit akzeptable Luft gegeben, obwohl gelötet wurde, aber eine halbe oder ganze Stunde am Tag im Lösemitteldampf stehen reichen mir auch um sich nach Feierabend ein bischen was asthmaartiges mitzunehmen.Und es ist doch nicht so, dass es für die anderen nicht ungesund wäre, nur, weil sie noch nichts davon merken. Wenn die Firma nicht grade dicht vor dem Bankrott steht, finde ich das unverschämt, die Gesundheit der Mitarbeiter so gering zu schätzen. Mal als Gedankenexperiment: Meine Elektronikbastelei wäre so ungesund und würde zu solchen Belastungen meiner Atemluft führen: Ich würde das Hobby aufgeben. Ich würde Geld für mein Hobby brauchen? Ich könnte es nicht verantworten, meine Gesundheit deshalb so zu untergraben. Ich würde ohne das Geld auskommen. Sicher würde ich irgendwo in Afrika oder Indien unter solchen Bedingungen arbeiten, wenn meine Lieben sonst verhungern und wäre dort noch einer von den Glücklichen,auch, wenn ich nur 40 Jahre alt würde,ehe ich an Lungenkrankheit stürbe. Aber ich lebe in Deutschland und brauche das Geld eigentlich garnicht so dringend. So gesehen ist es verantwortungslos von mir, diese Arbeit zu machen nur um dem deutschen Spießer zuliebe so zu tun, als ob ich das nötig hätte. Aber ich stehe im Wort und eigentlich macht die Arbeit auch Spaß mit diesen Kollegen. Aber sich deshalb die Gesundheit im D-Zug-Tempo ruinieren?) Und jetzt soll ich mich zum vierten Mal übern Tisch ziehen lassen und auch noch “Überstunden” machen? Während die Firma einen eingearbeiteten Mitarbeiter entlässt,der auch immer “Überstunden” gemacht hat? Wo soll denn da die Notlage sein, wenn die sich das leisten können, einen zu entlassen? Angeblich war der an allem schuld. Komisch: ich hab den immer nur am arbeiten gesehen. Wahrscheinlich konnte er seine Arbeit garnicht gut machen, weil man ihn zu sehr unter Zeit-Druck gesetzt hat. Na,ja, der Kollege, der die selbe Arbeit macht wie ich hat ne Woche Urlaub. Da kann ich mich vielleicht nochmal drauf einlassen. Und während man schon ununterbrochen an der persönlichen Leistungsgrenze arbeitet (eigentlich ein Wahnsinn, den kein Mensch macht, der bei klarem Verstand ist) ständig vom Vorgesetzten gesagt zu kriegen, man hätte nicht genug geschafft und man müsste mehr leisten können das sei durchaus möglich, steigert nicht die Arbeitsleistung sondern setzt einen nur unter krank machenden Stress.

Manches von den hier beschriebenen Sachen hat sich schon gebessert, seit ich es geschrieben habe.

5.Es bleibt so wenig Zeit übrig für meine eigenen Projekte und Aufgaben. Nick hat noch nicht mal sein Fahrrad mit ferngesteuerter Bremse. Deshalb darf der arme Kerl überhaupt nicht Fahrrad fahren. Und das war eigentlich erst als übernächstes Projekt geplant. Und in zwei Wochen ist Geburtstag. Und nächstes Wochenende ist nicht viel mit Bremse bauen, da ist er nämlich hier. Der Haushalt ist nur noch ein Müllhaufen und Marion hat zugenommen.

6. Meine politischen Aktivitäten leiden unter dieser Arbeit. Das ist dann wohl auch einer der Hauptgründe, warum ich sie überhaupt bekommen habe. Von der Arbeit bringe ich soviel Stress mit nach Hause, dass ich heimlich froh bin wenn ich mir mit politischen Aktivitäten nicht noch mehr Stress aufladen muß. Diese Korruption meiner Person möchte ich bekämpfen.

(Nachtrag Januar 2011: Ich habe mal vom Parkplatz durchs Fenster bei der Firma reingeblickt: Die Lötmaschinen haben ihre Plätze gewechselt und es gibt jetzt mehr Abzugsrohre. Hoffen wir, dass das geholfen hat.)

Tagebuch:

19.09.07

Heute morgen war die Luft im Betrieb ok, also was man so ok nennt. Ein Luftkurort ist so ein Elektro-Betrieb natürlich nie.OK,und zwar, obwohl mit der Maschine gelötet wurde. Morgens kam der Chef zu seiner täglichen Inspektion. Um 11.30 Uhr ging der Chef. Um 11.45 begann die Maschine nach Lösemittel zu stinken. Um 12.00 Uhr bemerke ich Symptome an mir: Schmerzen/Druckgefühl in der Brust. Ich muß genau in der Rauchfahne der Maschine arbeiten und kann dort auch nicht weg, weil ich von den Kollegen dorthin kommandiert bin. Zu Arbeiten, die an den Arbeitsplätzen dort zu machen sind. Versuch ich mich zu drücken und woanders was zu machen, werd ich angemeckert. Die meisten anderen haben sich verdrückt. 12.05 kommt der Chef wieder und kriegt einen Teil von den Dämpfen mit. Es gelingt mir, eine Arbeit an einem anderen Platz zu finden. Nach der Mittagspause beginnt die Maschine dann richtig zu qualmen.Weißer Rauch von Löse- und Flussmittel mit verschweltem Polyester steigt bis an die Decke und weht dann zu mir herüber. Diesmal kommt der Chef aber ein drittes Mal, was ganz ungewöhnlich ist. Plötzlich hört die Maschine auf zu qualmen. Jemand hatte sie schnell ganz abgestellt. Ich hab das aber gesagt und dann wurde sie wieder angestellt und der Chef hat den Qualm mitbekommen.So, wie wir ihn etwa jeden zweiten Tag für ein paar Stunden haben. Ich mußte wieder in der Qualmwolke arbeiten. Ich frage mich, ob jemand dem Chef verheimlichen wollte, was für Zustände wir eigentlich wirklich in der Firma haben. Oder ob ich von den Kollegen zur Strafe für irgendein vermeintliches Fehlverhalten mit der Lötmaschine vergast werde. Jedenfalls habe ich heute gekündigt, mit Wirkung zu später. Sollte sich bald was bessern, kann ich mir es ja noch überlegen. Oder auch noch eine fristlose draufsetzen. Ich habe sowas gehört, wie die Kollegen wollen streiken für eine funktionierende Abzugsanlage. Weiß aber nicht , wie ernst das ist und ob das was bewirkt. Jedenfalls ist es jetzt 19.30 abends, ich bin seit dreieinhalb Stunden raus aus dem Betrieb und ich habe immer noch Druckgefühl auf der Brust.

Heute abend habe ich Star-Gate geguckt. Tea'IC sagte mit ernster Miene: “Dies ist eine Angelegenheit, die keinen Aufschub duldet.” Dann tat er, was er für richtig hielt, obwohl die anderen ihn hinhalten wollten. Das war eine ernstzunehmende Botschaft vom Arzt oder meinetwegen auch ein Rat von Muttern für mich: Recht hatte er. Wenn Die das schon sagen! Mir wurde klar, dass ich nicht länger warten durfte, sondern mich dieser Luftbelastung umgehend entziehen mußte. Ich beschloß, am 20. 09fristlos zu kündigen.

20.09.07

Ich bin nicht gleich in's Büro gelaufen, sondern wollte erst noch abwarten, ob die Kollegen wirklich streiken. Es fand aber nichts statt. Die Arbeit ging ganz gut und die Maschine dünstete nur wenig aus. Nach der Frühstückspause machte einer Wartungsarbeiten an der Maschine und mein Martyrium ging wieder los. Die Kollegen verweigerten mir auch die richtige Lüftung, weil sie froren. Ist ja auch ein respektables Recht. Also ging ich ins Büro und erklärte meine fristlose Kündigung aus Gesundheitsgründen. Diese wurde nicht akzeptiert, Drohung mit Zeugnis und jeder Menge Bluff der mich abschrecken sollte.Ich hätte mich auch an Kündigungsfristen zu halten und ich solle mir das nochmal überlegen. Und wenn ich jetzt ginge und so weiter. Also ging ich zum Schein auf das Überlegen ein, um noch Gelegenheit zu haben, meine eigenen Schuhe anzuziehen, mein persönliches Zeug zusammenzusuchen und mich von den Kollegen zu verabschieden, statt hochkant und schändlich rauszufliegen. Wie sich noch rausstellen sollte, hatte ich die Chefs da ganz richtig eingeschätzt. Als ich mich von den Kollegen verabschiedete, rieten diese mir eindringlich doch dazubleiben und ich sollte mir so eine weitreichende Entscheidung doch noch mal überlegen. Scheinbar haben sie mich doch gerne gemocht. Das war richtig schön, wie gerne sie mich dabehalten hätten. Aber was ist das gegen die Gesundheit? Als ich dann auf dem Weg zur Tür war wurde ich von einem der Chefs gestellt er wolle nochmal mit mir reden. Dann kam noch der andere Chef aus dem Büro dabei und die beiden begannen mir Vorwürfe zu machen: Man habe das Problem sehr ernst genommen und der Oberchef habe bereits mit jemand telefoniert,der sich um die Sache kümmern wollte und man wolle mir hier und da entgegenkommen. Das Problem war aber, das man mir garnicht entgegenkommen konnte, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit und ausreichendem Maße, wenn man die Produktion am Laufen halten wollte. Es ging ja nicht um die Ehre, sondern um die Gesundheit, ein Problem, welches keinen Aufschub duldete. Dann wurde mir vorgeworfen, warum ich denn nicht eher etwas gesagt habe, wenn ich dieses Problem schon länger habe: Ich habe schon nach nichtmal einer Woche meinen Arbeitsplatz vorzeitig verlassen und gebrüllt, ich hätte keinen Vertrag mit einer Gaskammer unterschrieben. Besagter Chef aus dem Büro muß das eigentlich gehört haben, kam auch raus und fragte, was denn sei. Ich habe das aber dann nicht nochmal wiederholt, weil ich noch nicht zur Kündigung entschlossen war. Und was ich von besagtem Chef der so eine unverschämte Art hat, zu hören bekommen hätte, wäre so beleidigend gewesen, dass ich meine Ehre nur noch durch sofortig Kündigung hätte retten können. Ich wollte es mir aber noch überlegen und verschiedene Strategien ausprobieren, den Abgasen zu entkommen. Also habe ich nichts gesagt. Ich habe dann in der folgenden Zeit mit den gleich, oder damals noch ein wenig höher gestellten Kollegen über die Sache geredet über Lüftung verhandelt, über den Platz an dem ich mich bei bestimmten Arbeiten aufhalten mußte usw. Das hat schon einiges gebracht, auch die Maschinen stanken wohl etwas weniger, aber es hat nicht gereicht. Einer von den Chefs ist eigentlich meistens ganz nett,-jetzt wär er das natürlich nicht mehr weil ich durch Ausfall meiner Arbeitskraft die Arbeitsplanung durcheinander gebracht habe- dem habe ich auch erzählt, dass ich gesundheitliche Probleme mit der Luftbelastung habe. Schon vor längerem. Ich habe aber natürlich kein Ultimatum gestellt, so einen Affront hätte ich mir nicht erlauben dürfen. Einen anderen Chef habe ich nach dem Schalter für die Abzugsventilation gefragt, weil die Maschinen so qualmten und diese wohl manchmal nicht eingeschaltet sei. Es stellte sich heraus, dass es so einen Schalter garnicht gab und er das nicht wußte. Ich hab getan, was ich konnte, alles was möglich war, um das Problem abzustellen, außer einer Kündigung. Mit diesen Chefs konnte man aber nicht über soetwas reden, ohne massiv getadelt zu werden, Strafarbeiten aufzubekommen, oder lächerlich gemacht zu werden. Also habe ich mein Pulver für einen Zeitpunkt aufgespart, an dem ich in der Lage wäre ordentlich Paroli zu bieten, also die Kündigung. Darum habe ich nicht eher “etwas”gesagt. Bei dem Gespräch anläßlich der fristlosen Kündigung hieß es in einem Elektrobetrieb dufte es nun mal nicht nach Rosen und es wurde im folgenden wieder besseres Wissen behauptet, das Zeug was aus der Maschine käme wäre überhaupt nicht gesundheitsschädlich und ich wollte eigentlich garnicht arbeiten und das sei wohl der Grund, warum ich ginge. Ich habe den beiden gesagt, dass ich diese beiden Behauptungen als Dreistigkeiten auffassen würde und mir nicht mehr mehr davon anhören wolle und deshalb jetzt gehen würde. Einer der beiden Chefs brüllte mich an, ich würde jetzt nirgendwo hingehen,(diese Herrenmanieren haben die wohl im Manager-Seminar gelernt und jemand anders hätte sich auch wahrscheinlich auch davon einschüchtern lassen.) Ich war aber schon zur Tür raus und er konnte mir nicht mehr den Weg verstellen. Daraufhin habe ich ihn laut, so dass die Kollegen es hören konnten gefragt, ob er etwa eine Prügelei mit mir anfangen wolle. Ich wurde des Hauses verwiesen (um vor den Kollegen die eigene Verhandlungs-Niederlage zu vertuschen vermutlich) und er kam in Tätlichkeiten androhender Manier auf mich zu. “Unverschämtheit” habe ich noch gebrüllt und gemacht, dass ich heil hinaus kam, obwohl ich mich eigentlich noch ordnungsgemäß auf der Anwesenheitsliste austragen wollte. Der Kerl ist ziemlich großgewachsen und etwas jünger, als ich. Tja, das war's mal wieder mit der Arbeit. Mal gucken, was nun noch kommt. Hab etwas Ambroxol genommen. Die Symptome sind fast weg. (20Uhr)

Was wird man wohl davon halten, wenn jemand der Ansicht ist, dass kapitalistische Arbeitsverhältnisse auf Ausbeutung beruhen und im Grunde unzumutbar sind, wenn dieselbe Person dann ohne Not in genauso einem Arbeitsverhältnis arbeitet? Macht diese Person sich nicht eigentlich über all die Arbeiter lächerlich, für die diese Arbeit Zwangsarbeit ist? Das worunter ihr so leidet, worüber ihr so jammert, kann man auch zum Jux machen? Kann man schon verstehen, wenn Arbeiter so jemanden zu ihrem Feind erklären. Und dann wird die Arbeit in der Tat unmöglich. Man tut auch denen, die einen lieben unrecht, wenn man durch eine solche Arbeit quasi Selbstmord begeht, obwohl man's nicht nötig hat, nur, weil man verdammt nochmal zu irgendeiner Arbeitsgruppe gehören möchte. Oder, weil man's irgendwann mal nötig gehabt hat und es einem peinlich ist, jetzt in entlarvender Weise mit der Kriecherei aufzuhören.

Januar 2008: Muß mich doch wundern: Direkt nach dem Job bei der Getec habe ich eine Erkältung mit Husten bekommen und jetzt habe ich schon zum zweiten Mal Husten, seit ich bei der Getec gearbeitet habe. Ob da wohl jemand beweisen will, dass ich zu Husten neige und besonders empfindlich bin und deshalb die Luft bei der Getec nicht ausgehalten habe, diese also in Wirklichkeit garnicht so unzumutbar gewesen sei? Normalerweise bin ich durchaus ein Mensch, der sich mal ein Räucherstäbchen anmachen kann, oder den Heißkleber mit der Lötlampe schmelzen, weil es sonst nicht schnell genug geht. Na, ja, wenn ich damit fertig bin, lüfte ich dann allerdings schon. Auch mit ein bischen Handlöten im Zimmer habe ich zu Hause kein Problem. Und jetzt schon zweimal hustenkrank seit der Arbeit. Aber wenn ich morgens beim Aufstehen noch den Druck auf der Brust habe von der Arbeit vom Vortag, dann ist das für mich eben ein Grund aufzuhören. Der Typ auf dem Arbeitsamt hat mir sowieso gesagt, bei meiner Qualifikation als Elektroniker dürfe ich mich eigentlich nicht unter 12 Euro Stundenlohn herunterhandeln lassen. Und dann hat er mir einen Vermittlungsvorschlag für 6,50 ,Verleihfirma aus seinem Computer geleiert, weil in dem Ding nichts anderes drin war. Aber das war für mich ja eh nur 'ne Formsache, weil ich mich nur gemeldet habe um mich bei der Getec mit Subventionsangebot der Arge besser bewerben zu können. Eigentlich bin ich froh, dass ich diese Arbeit nicht mehr zu machen brauche, jedenfalls solange noch genug Geld da ist. Ich habe eine endlos lange to-do-list im Haushalt und eigene Elektronik-Entwicklungen sind auch viel spannender, als immer dasselbe zusammenzuschrauben. So gesehen könnte ich den Kollegen ja auch dankbar sein, dass sie mich mit dem Lötmaschinenrauch sozusagen freigebombt haben, falls da einer nachgeholfen haben sollte. Eine überhaupt erreichbare Möglichkeit, mit einfacher Arbeit relevante Geldmengen zu verdienen, wäre allerdings auch etwas gewesen.

Nachtrag 12/09: Jetzt hab ich über ein Jahr keine Hustenerkrankung gehabt.

Aber es ist schon wahr: Eine Arbeit, bei der man das Gefühl hat: “von 7 bis 16 Uhr ist mein Leben zuende.” , so eine Arbeit kann man mal vorübergehend ein paar Monate machen, um einen kurzfristigen finanzellen Engpass zu überwinden, oder das Geld für eine längere Zeit ohne solche Arbeit zusammenzukriegen, aber auf die Dauer macht das kein vernünftiger Mensch, der sich irgendwie davor drücken kann. Dass ich so ein Gefühl kriege, hängt natürlich auch damit zusammen, dass/wenn ich nicht in der Lage bin, mich auf Arbeit befriedigend zu sozialisieren:

Meine Soziopathie ist nicht ganz zu bestreiten: Erstens will ich was besseres als das geltende Modell für alle, zweitens will ich Liebe machen, wenn Gelegenheit ist, drittens streike ich, wenn ich “radfahren” soll, viertens habe ich fast nur Meinungen, die Durchschnittsmenschen provozieren. Und für einen normalen Sozialpartner werde ich oft schon von vorneherein wegen des Adelstitels nicht gehalten. Ich werde einfach nicht glücklich mit anderen Menschen. Unter normalen Menschen darf ich nicht ich sein.(manches hier liest sich wie “Sheldon” in “The Big Bang Theory” (Fernsehkommödie))

Zu den Dingen, die auf Arbeit keinen Spass machen gehört auch, wenn man wie ein kleines Kind behandelt wird und nichts eigenverantwortlich tun darf. Nehmen wir zum Beispiel diesen Drehstuhl, der eine Reparatur brauchte, weil der Kegel im Drehkreuz eingesunken war und auf der Fussbodenbeschichtung kratzte, wenn man sich draufsetzte. Diese modernen Drehstühle scheinen alle nach demselben Muster zusammengebaut. Meiner zuhause hat die Krankheit auch gehabt. Ich habe das Drehkreuz vom Kegel losgehämmert, (die Dinger klemmen sich durch das Gewicht des Benutzers auf die Dauer enorm fest.) ein paar Lagen Papier dazwischengeklebt und wieder draufgesteckt und schon war das Problem behoben 200 Euro für einen neuen Drehstuhl gespart. Ich sitze grade drauf. Wieso geht sowas auf Arbeit nicht? Wenn ich 8,50 Euro bekomme, wieso darf ich dann keine Stunde dafür aufwenden, einen 200Euro -Drehstuhl wieder brauchbar zu machen, wenn besitzbare Stühle knapp sind und muß meine Arbeit daran halbfertig stehen lassen? Als ob ich es nicht könnte? Solche Gängelung, das gehört einfach zu den Dingen, die keinen Spass machen.

Fazit: Mir bleibt garnichts anderes übrig, als das Geld von meinen Eltern anzunehmen, wenn ich nicht vergast werden will, oder sowas ähnliches. Ob dahinter wohl die “fürsorgliche” Kirche steckt? Wenn ich meine Eltern nicht freiwillig ehre, dann eben unfreiwillig, oder so? Der Grund, weshalb ich vor 30 Jahren ausgetreten bin.

Nick hat sie auch schon unfreiwillig ehren müßen. Das arme Kind.