Da ich in letzter Zeit verschiedentlich genötigt wurde, zu unterschreiben, Nick sei aggressiv, (Anträge für Massnahmen und Personal u.ä.) muß ich das einmal richtigstellen:

Nick ist nicht aggressiver, als andere Menschen auch. Im Gegenteil, er ist eher ein friedfertiger und versöhnlicher Typ.

Aber um zu verstehen, was passiert ist, müßen Sie sich vorstellen, dass jemand sie Tag für Tag quält und sich bei ihnen verhasst macht.

Und dann setzt der dem ganzen noch mit irgendeiner Ungerechtigkeit die Spitze auf. Und da zeigt er eine Schwäche. Wollen Sie mir erzählen, da schlagen Sie nicht gnadenlos zu? Nein, natürlich nicht, weil Sie wissen, dass sie dann in den Knast kommen. o.ä. Aber sonst schon. Oder wenn Sie ein Mittel kennen, wie sie sich wehren können, ohne Gesetze zu verletzen. Oder noch etwas triumphaleres.

Wieso ist denn nun eine gute Lehrerin, die sich Tag für Tag liebevoll mit den Kindern abmüht, jemand, der den armen Nick Tag für Tag quält?

Na,ja, das ist eine Frage der Perspektive.

Wenn sie die Regeln nicht verstehen, wird Gerechtigkeit zur Benachteiligung und Unterdrückung.

Still sitzen in der Schule ist nebenbei für alle Kinder schwer, aber für jemanden, der überhaupt nichts von dem ganzen versteht, was er da machen soll, ist das eine unerträgliche Zumutung. Deshalb braucht Nick ja sogar einen Schulhelfer, weil er sonst einfach nicht auf seinem Platz sitzenzubleiben aushält. Und Nörgelei aller Art ist auch etwas, das Nick aggressiv macht. Weil er nur den aggressiven, aber nicht den versöhnlichen Aspekt des Nörgelns versteht.



Ich meine normale Menschen sind doch vor allem auch deshalb nicht aggessiv, weil sie wissen, welche Bürger und Menschenrechte sie haben. Sich darin sicher fühlen.

Wenn Sie sich mal ansehen, wieviel von unseren stolzen Rechten dem armen Nick verbleiben in seiner Situation, dann ist das nicht allzuviel. Wir haben also kein Recht uns moralisch überlegen zu fühlen, weil er auch ein Mal („zurück-“)geschlagen hat.

Er kann nicht gehen, wohin er will sondern muß in der Umzäunung bleiben.
Sein Tagesablauf wird von anderen geregelt. Er kann nicht entscheiden:“Heute mach ich mal blau“. Oder: „jetzt spiel ich gar nicht mehr mit“. Er wird von morgens bis abends von anderen gegängelt, obwohl er sich sehr gut alleine vergnügen könnte. Im Heim hat er ja immerhin ein eigenes Zimmer. Aber da ist fast nichts drin, ausser einem Bett.
Privatsphäre: Auch wenn er gelegentlich hoffen kann, mal ungestört zu sein in seinem Zimmer, fehlen eigentlich alle Geheimnisse, mit denen sich es normale Leute in ihrer Privatsphäre gemütlich machen. Keine heimlichen „Schweinereien“ und dergleichen.
Selbstentfaltung: Ist sicherlich auch eine Frage, welche Herausforderungen der gegebene Rahmen stellt. Jedenfalls darf er keine Gegenstände an die Decke werfen und bei uns nicht mal auf den Fussboden stampfen. Und vermutlich auch diverse andere Dinge nicht, mit denen man Bewegung unter die anderen Menschen bringt. Die Wirkung des eigenen Handelns auf andere Menschen zu sehen ist vermutlich jedermann wichtig.

Irgendwelche Vorstellungen von weitreichenden Konsequenzen darf man ja von Nick nicht erwarten.

Auch Mitgefühl gehört eher zu den kulturvermittelten Gefühlen und setzt voraus, dass man sich im Geiste dem überlegen setzt, mit dem man Mitgefühl hat.

Kann man wahrscheinlich nicht erwarten.



Liebe und Hass.

Verzweiflung und Triumph.

Gier und Überdruss.

Vorsichtige Neugier und sich auskennen.

Oft mehr Angst, als Vertrauen.

Clever Gefahren ausweichen und Chancen nutzen. Überlegenheit zeigen.

Lernen aus wiederholter (plausibler!!!)Anschauung, nicht aus Gerede.

(plausibel, d.h. Nick ist nämlich nicht wirklich dumm. Überhaupt nicht. Eine anschauliche Mechanik z.B. begreift er leicht. Zum Beispiel glaubt Nick nicht, dass eine Strafe wirklich eine Konsequenz seines Verhaltens ist und deshalb durch anderes Verhalten vermeidbar.

und da hat er ja recht. Strafen sind ja willkürlich erdachte Konsequenzen um Menschen zu beeinflussen. Von den impliziten Problematiken und der Notwendigkeit einer Gesellschaftsordnung weiss er ja nichts.)

Das wären für mich die Dimensionen von Nicks Seele. (ohne Vollständigkeitsanspruch natürlich.)
Damit muß man eben auskommen, wenn man ihn lenken will.
Uns jedenfalls, hat er noch nie zu verletzen versucht.
Ein bischen aufdringlich ist er schon manchmal, wenn er etwas will. Meist Süssigkeiten.



Dazu wissen muß man auch, dass Nick von Hause aus zunächst ein sehr ängstliches verschüchtertes Kind war, das Angst vor allen anderen Kindern hatte und ihnen völlig hilflos ausgeliefert gegenüberstand. Auch da also eher nur verhärteter Hass. Man kann sich vorstellen, welch ein Triumph der erste Sieg über andere für ihn ist. Mit der Kopfstosstechnik, die er wahrscheinlich zufällig bei Rangeleien mit anderen Kindern im Heim entdeckt hat. Ich meine, Roosevelt, das Schwein hat die Atombombe doch auch abwerfen lassen, als er sie in die Hand bekam. Und der hat an den Menschenrechten mitgearbeitet, oder nicht?
Wie soll Nick dann so einer Versuchung wiederstehen?
(ich hab noch mal nachgeguckt, es war sein Nachfolger Truman, aber Roosevelt hat sie in Auftrag gegeben)
Im übrigen glaube ich, dass Nick diese Ängstlichkeit gegenüber anderen Kindern, die er von vorher mitgebracht hat, im Laufe der Jahre im Heim im Zusammenleben mit den anderen weitgehend verloren hat. Das war also eigentlich ganz gut. Da er jetzt diese Entwicklung gemacht hat, muß er jetzt eben auch damit zivilisiert umgehen lernen.

Nachtrag 2014: Ich würde unbedingt sagen, dass er sich noch sehr positiv weiter-entwickelt hat. Er ist wohl etwas selbstsicherer und ausgeglichener geworden. Vermutlich ist die GWN weniger nervig, als die Schule.



erer und ausgeglichener geworden. Vermutlich ist die GWN weniger nervig, als die Schule.